Ausbildungsinhalte 2019

Das Praxisseminar Atemschutz besteht aus mehreren Übungsphasen und sieht folgende Ausbildungsinhalte vor:

1. Grundlegendes Vorgehen

Türcheck/Öffnen einer Tür zum Brandraum
Seitenkriechgang
Handhabung u. taktisches Vorgehen mit dem Hohlstrahlrohr/Fognails
Temperaturcheck
Flash-Over-Reflex


2. Firetrainer 112

Treppenhausbrand
Rauchgasdurchzündung
Küchenbrand
Wohnzimmerbrand


 3. “Warum machen Menschen Fehler?“

Es geht im Prinzip um Erkenntnisse aus der Unfallforschung, nach der in über 90 % aller Unfälle der Mensch die Unfallursache ist.
Der Vortrag beleuchtet unter Einbeziehung der Unfallforschung den Atemschutzeinsatz.
Unsere Dozenten Winfried Pagel und Hans-Peter Locht der Feuerwehr Kropp haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und anhand vieler Beispiele einen Vortrag vorbereitet.


 4. "Wo stehen wir im Atemschutz?" 

Willkommen an der Rauchgrenze

Nur eine Maske, ein Lungenautomat, ein Druckminderer, ein Handrad, eine Druckluftflasche und eine Handvoll Ventile. Dazu Helm, Stiefel, Handschuhe und Schutzkleidung. Keine Redundanz! Mehr trennt uns nicht von Rauch und Hitze im Brandraum, dem Kohlenmonoxid in der defekten Heizung, den Gasen im Schacht, dem Ammoniak in der Kühlanlage und dem Kohlendioxid in der Halle mit der ausgelösten Löschanlage.

Ein Funkgerät, ein Schlauch oder eine Leine. Mehr verbindet uns meist nicht mit dem sicheren Bereich.

Die FwDV 7 sagt, dass jeder Atemschutzgeräteträger für seine Sicherheit eigenverantwortlich ist. Zusätzliche Sicherheit im Atemschutzeinsatz geben unser 2. Mann, die Technik, die Taktik, die Fitness, die Ausbildung und die Unterstützung von außen. Was gehört für eine runde Sache alles dazu?

Ohne Atemschutz geht bei einer modernen Feuerwehr nicht viel. Deshalb ist es besonders bei gefährlichen Einsätzen, wie z.B. dem Innenangriff, enorm wichtig, dass sowohl die eingesetzten Atemschutzgeräteträger als auch die für diese verantwortlichen Führungskräfte den entstehenden Anforderungen gewachsen und ausreichend qualifiziert sind.

Der Atemschutz steht im Mittelpunkt - wir versuchen in Kropp herauszufinden wo wir stehen!


5. "Feuerkrebs gUG"

Wir helfen den Rettern! Alltag heißt: Leben retten unter Einsatz des eigenen Lebens.

Um 7.30 Uhr erreicht ein Notruf über einen Wohnungsbrand eine Feuerwache irgendwo in Deutschland. Schnell sind die Retter am Einsatzort und sehen, wie Flammen aus einer Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses schlagen. Eine Drehleiter wird in Stellung gebracht, um über einen Wasserwerfer zu löschen. Gleichzeitig rückt der Angriffstrupp von der Vorderseite des Gebäudes vor. Der Feuerwehrmann auf der Drehleiter sieht am Fenster über der Brandwohnung mehrere Personen, darunter sind auch Kinder. Sie rufen verzweifelt um Hilfe. Der Angriffstrupp kann die Eingeschlossenen nicht erreichen, da das gesamte, aus Holz bestehende Treppenhaus lichterloh in Flammen steht. Es bleibt dem Drehleiterführer keine Zeit mehr herunterzufahren und das Atemschutzgerät anzulegen. Kurzentschlossen und beherzt handelt der Hauptbrandmeister und fährt den Korb der Drehleiter bis an das Fenster zu den von Rauch und Flammen eingeschlossenen Menschen. Unter Einsatz seines Lebens rettet er die Familie mit dem mittlerweile von Rauch umhüllten Drehleiterkorb aus dem brennenden Gebäude.

Er ist „ein Held“, heißt es in den Medien, und die Geretteten werden immer dankbar sein. Doch der vielumjubelte Retter in dem reellen Fall von damals ist mittleerweile an Krebs – an einem Hodgkin Lymphom – erkrankt. Eine Ursache dieser Erkrankung sind unter anderem laut eines am 20. März 2015 veröffentlichten Whitepapers einer Expertengruppe der WHO (IARC International agency on research of cancer), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die bei fast jedem Brand in den Rauchgasen in großer Konzentration freigesetzt werden.
Feuerwehrleute nehmen diese toxischen und karzinogenen Stoffe über die ungeschützten Atemwege, aber auch über die offenen Poren der Haut auf. Durch zahlreiche repräsentative internationale Studien wurde nachgewiesen, dass bei Feuerwehrleuten das Risiko, an Krebs zu erkranken, bereits nach wenigen Jahren im Einsatzdienst auf bis zu 30 Prozent steigt. Dennoch wird Krebs in Deutschland anders als zum Beispiel in Kanada nicht als Berufskrankheit anerkannt, und die Retter und ihre Familien werden mit den Folgen allein gelassen.

Feuerwehrleute gründen Hilfsorganisation für Feuerwehrleute
Im Sommer 2016 entschlossen sich einige Feuerwehrleute, eine Gesellschaft zu gründen, die sich dieser Problematik annimmt und nach Lösungen sucht, um die Einsatzkräfte zu schützen. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen sowie ihren Familien unbürokratisch helfen und sie in ihrem Schicksal nicht alleine stehen lassen. Wir wollen erreichen, dass ausgewählte Krebserkrankungen als Berufskrankheit bei Feuerwehreinsatzkräften anerkannt werden. Alternativ dazu muss eine rechtliche Entschädigungsgrundlage geschaffen werden“, erklärt Marcus Bätge, selbst seit mehreren Jahren Feuerwehrmann und einer der Gründer der Gesellschaft.


 Unsere Dozenten:

Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kropp

HBM Marcus Bätge (Berufsfeuerwehr Hamburg)

BOI Lars Angler (Berufsfeuerwehr Erfurt)


 Stand 28.06.2019